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Schmerz und Energie
Süddeutsche Zeitung
5-July-10
Harald Eggebrecht
Alban Gerhardt und Eivind G. Jensen bei den PhilharmonikernMünchen - Wer das 'Symphonische Konzert' für Cello und Orchester Op. 125 von Sergej Prokofjew wagt, weiß, dass über dem ausladenden, vielgestaltigen, vielfarbigen, von Schmerz, Angst, Hohn und Spott, aber auch von Sehnsucht, Schönheit und Heldengesang erfüllten Stück der mächtige Schatten des ersten Solisten liegt: Mstislaw Rostropowitsch. Prokofjew schrieb die Partitur in enger Abstimmung mit ihm. Die rasenden Läufe, Riesensprünge, Doppelgriffkaskaden, bogentechnischen Teufeleien tragen die spezielle Virtuosität Rostropowitschs in sich, erst recht künden die dynamischen Kontraste zwischen größtem Tonvolumen und zartestem Flüstern, zwischen langem Phrasierungsatem und sarkastischer Kürze von Rostropowitschs Geist.
Doch gilt es für jeden Spieler, seinen Zugang zu finden, die technischen und geistigen Fähigkeiten vorausgesetzt. Noch etwas ist nämlich schwer, die drei Sätze nicht in mehr oder weniger interessante Episoden zerfallen zu lassen. Alban Gerhardt, einer der weltbesten Cellisten, bewies in der Philharmonie, wie Intelligenz, Tonschönheit, Attacke und gedankliche Freiheit zu einer eigenständigen, souveränen Darbietung führen. Dazu gehört unbedingt ein waches Orchester, als das sich die Münchner Philharmoniker unter dem attraktiven, vor Energie federnden Norweger Eivind Gullberg Jensen erwiesen. So entstand ein musikalischer Roman, 'erzählend' von Bitternis, Schwermut und harten Kämpfen, erfüllt von tiefer Introvertiertheit und grotesken Ausfällen - eine Leistung, die zu Recht Ovationen für alle hervorrief. Gerhardt dankte mit einem virtuos-kauzigen Moderato von Rostropowitsch.
Davor und danach Jean Sibelius: Zuerst 'Finlandia', die Nationaltondichtung, die Gullberg Jensen nobel aushörte und klanglich reich gestaltete. Die zweite ist Sibelius" bekannteste Symphonie. Der junge Dirigent, den es ab und zu noch zu früh und zu rasch ins volle Gefecht drängt, hatte ein Ohr für die in ihrer Originalität immer überraschenden dunklen Farbmischungen, wusste im langsamen Satz klug zu disponieren und erfüllte das Finale mit unwiderstehlichem Sog. Das Orchester bot in allen Gruppen Glanz, Wärme, Intensität des Lauten, ohne zu lärmen und Intimität des Leisen ohne Heiserkeit. Eivind Gullberg Jensen sollte bald wiederkommen.
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