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Grandioses Panorama
Münchner Merkur
6-July-10
Thomas Willmann
Nein, diese Musik ist nicht logisch — sie ist geologisch. Sibelius' Symphonik folgt nicht dem arbeitsamen Ideal von Beethoven, Brahms. Und auch wenn Dirigent Eivind Gullberg Jensen schön hören ließ, dass "Finlandia" ähnlichen mythischen Urgründen entspringt, wo auch Wagners Drachen hausen: Es ist genauso wenig die romantische Zwangsläufigkeit des Begehrens, welche die Entwicklung in Sibelius' Kompositionen vorantreibt. Jensen gelang es am Pult der Münchner Philharmoniker, die Einzig-, Eigenartigkeit des Finnen zu erfassen. Mit bassmächtig-finsterem Klang, perfekt abgemischten Blechbläser-Chören, auf den Punkt gezupften Pizzicati wurde die zweite Symphonie quasi zu einem tektonischen Vorgang: Ton-Gesteinsschichten, die sich
verschieben, verhaken, verwerfen, überlagern. Bis sich aus ihnen grandiose Melodie-Panoramen erheben.
Aber auch das Gegenteil beherrscht Jensen: Prokofjews Cellokonzert op. 125 ist ein zutiefst dialektisches Stück. Man kann es sehen als Auseinandersetzung zweier Prinzipien: die Mechanik der Tonleitern und Uhrwerk-Rhythmen gegen das beseelte Singen. Zahlloses gäbe es zu loben an der Interpretation durch den Solisten Alban Gerhardt: Die geschmeidige Schärfe des Tons, die kontrollierte Verve des Einsatzes, die Virtuosität und die Beredtheit der Kadenz. Das grundsätzlich Großartige aber war, wie weder er noch das Orchester das Werk groteske Grimassen schneiden ließen, sondern sie die geistige Spannkraft hatten, das ständige Für und Wider in aller Komplexität und Logik nachzuvollziehen.
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